Wenn der Rennsteig ruft  

Zweiter teil

Irgendwann im Training zu meinem ersten Marathon im Herbst 2001 setzte sich die fixe Idee von  der 3 Std.-Schallmauer bei mir fest. Zwischenzeitlich vom Laufembryo zum Laufkid gereift, also noch grün hinter den Ohren, sollte das natürlich gleich beim ersten Marathon sein. In Frankfurt.

Die Zeit war gut. Es hat aber natürlich nicht geklappt. Na gut, nach dem Marathon ist vor dem Marathon, weiter geht´s. Da kam der Städtemarathon in Erlangen gerade recht für einen neuen Versuch. Viele langsame, lange Läufe sollten es sein und ich sammelte fleißig Kilometer. Topfit laufe ich dem Termin entgegen, aber ich werde 2 Wochen vorher krank ! Guten Ratschlägen zum Trotz, wollte ich es allen zeigen. Dabei gehe ich furchtbar ein und laufe ab KM 30 gegen eine ganze Armee von Hammermännern.

Die Erde dreht sich weiter. Mit neuen Mut und Motivation will ich es in München versuchen. Diesmal klappt alles wunderbar und ich laufe zum ersten Mal unter 3 Std. in 2:59:33 !

„Was kommt jetzt ?“ „Was machst´n als Nächstes ?“ „Was ist dein Ziel ?“

Nur noch für die Fitness laufen, keine Wettkämpfe mehr, dazwischen ein paar Spaßläufchen ? Der Vorteil des reinen Spaßläufers liegt darin, dass man, wenn es mal so ein richtiges Sauwetter hat, einfach zu Hause auf der Couch sitzen bleiben kann. Oder es geht einem nicht so gut, oder man hatte auf der Arbeit viel Stress, oder die Frau braucht einen Diplom-Müllträger-Bilderaufhänger-Kelleraufräumer oder, oder, oder ....

Nein, nichts für mich: Der Spaßläufer wird zum Nichtläufer.

Damit das nicht passiert, habe ich mich entschlossen, im kommenden Jahr den Rennsteig-Supermarathon zu laufen. Mein erster Ultralauf.

76 Kilometer          Start                          210 m

                              Ziel                            711 m

                              höchster Punkt         982 m

                              Höhendifferenz       2479 m

                              Summe der Anstiege                 1490 m

                              Summe der Abstiege                  989 m

                              Streckenrekord           Charlie Doll in 5:05:13

                              Sieger AK 75 in 2002             Dr. Heinrich Gutbier in 8:33:24

Soweit die Streckendaten. Eine echte Herausforderung !

Der Herausforderer      Jochen Brosig 

        AK                        M 35

        Größe                    178 cm

      Gewicht                 75 kg

       Laufleistung bisher         9104 km seit 7.02.2002

      Längste Laufstrecke 62 km beim Staffellauf entlang der Altmühl

Soweit die Läuferdaten. Ob das reichen wird ? Wir werden sehen.                            

Mit 70 Kilogramm will ich im nächsten Jahr am 17. Mai an den Start gehen. Aktueller Stand: 75 Kilogramm. Massig Zeit ! Beim Trainingsbeginn Anfang November fallen sowieso die ersten Pfunde.

Und die Steigerung meines Laufpensums wird ihr übriges Tun.

Doch hinter der linken Tür des Wohnzimmerschranks lauern sie – all die furchtbaren Dämonen mit den Namen: Mars, Snickers, Noisettes, Kinderschokolade und ihre Kumpane von der „Und-Erwachsne-ebenso-Fraktion“. Fällt es mir das ganze Jahr über schon schwer, so es in der Weihnachtszeit mit Gudrun´s Plätzchen und Lebkuchen ein einziger Krieg gegen eine Armee hochspezialisierter innerer Schweinehunde. Jedes Gramm zählt im Thüringer Wald. Es gilt ! Jetzt !

Am 4. November startet meine Vorbereitung. Das heißt vor allem wieder Kilometer sammeln, wenn möglich im bergigen oder hügeligen Gelände. Bis jetzt habe ich noch niemanden motivieren können mit zu laufen. Anscheinend verkaufe ich schlechter als ich laufe. Doch vielleicht findet sich noch jemand.

Eines verspreche ich Euch jetzt schon: Es wird schonungslos berichtet. Alle Höhen und Tiefen, der Kampf um Kilometer und die Schlacht gegen Nikolausis und Nougat-Ostereier. Freut Euch über Erfolge und Mißerfolge, je nachdem, wie Ihr mich leiden könnt. Alles in Technicolor und in THX !!

Fortsetzung folgt

Jochen Brosig