Vorbei am See, hoch zum Gipfel

Trainingslager Kärnten oder die Erfahrungen eines Flachlandtirolers am Berg

Ob Tschiernock, Goldeck, Gmeineck oder Großer Rosennock, hört sich alles verdammt hoch für mich an. Dagegen ist es bei uns flach wie Miss Piggys Dekolleté oder das Niveau so mancher Talkshow im Fernsehen. Gerade richtig für einen Ultralaufnovizen, immer noch auf den Spuren von Dr. Gutbier, um den Rennsteig zu erobern.

Als Gegenveranstaltung zu einer legendären Shopping-Orgie der Damen, fahren Manfred und ich zum trainieren in seine Heimat Kärnten. In Seeboden am Millstätter See kommen wir nach zeitiger Abfahrt am späten Vormittag an. Dort werden wir von strahlendem Sonnenschein im Sporthotel Rattner empfangen.

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Manfred schlägt für den Nachmittag, als Einstieg, ein kleines Läufchen in zart profiliertem Gelände vor. Also auf zum Egelsee. 

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Der einsame und idyllisch gelegene Moorsee lädt ein zu einer kurzen Rast

Das so feinsinnig beschriebene Gelände entpuppt sich bald als der erste Prüfstein für mich. Manfred bekannt als „Bergläufer“ und ich gerade von einer Verletzung genesen, so richtig rund läuft es bei keinem von uns. Nach einer Stunde erreichen wir den See und von da an geht´s bergab. Am Ende haben wir 21 Kilometer und 420 Höhenmeter geschafft. (Also ca. 10x Schneckenberg)

 2. Tag

Für den 2. Tag schlug Manfred eine Seeumrundung vor. Das ist gut! Hört sich nach der ersten Strapaze richtig flach an. Etwas zum Erholen. „Erst einmal laufen wir hinunter nach Seeboden, von da aus bis Obermillstatt ca. 40-50 min. stetig bergauf, gespickt mit kurzen Abwärtspassagen.“ „Ach ja?“, interessant. So laufen wir um eine Ecke und schon steigt die Straße an. Die Flaschen am Hüftgurt ziehen nach unten, die Achillessehne zwickt, der Vorfuß krallt sich in den Asphalt. „Das geht jetzt erst einmal so weiter …“ Danke, Kumpel. Er kann ja so motivierend sein. Nach einer Weile bekommen wir einen herrlichen Blick auf den See. Auf der anderen Seite sehe ich schon die Herausforderung für den Rückweg. 

b4.jpg (48504 Byte) Ein letzter Blick auf den See, dann geht es 200 Höhenmeter steil hoch nach Großegg.

Aber was soll´s, deswegen sind wir hier. Das Wetter passt auch, was will der Läufer mehr.

b5.jpg (53752 Byte) Nach 34 Kilometern und 800 Höhenmetern, gleich 22 Schneckenberge sind  wir etwas gezeichnet.

aber kurze Zeit  später werden wir mit einem hervorragenden Mittagessen im „Sporthotel“ erwartet. DANKE, Frau Rattner für die gute Verpflegung. Vor allem ihr Gurkensalat mit Kartoffeln hat es mir angetan.

 

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Manfred´s Mutter hat uns die Woche sensationell verköstigt. So hatten wir immer guten Nachschub an Kohlehydraten.

 

3. Tag

Am Montag war Regenerationstag. Nach einem kurzen, ganz lockeren Läufchen über 13 Km und wieder 300 Höhenmetern oder 8 Schneckenbergen, haben wir uns in der Villacher Therme entspannt. Abhängen und cool down, ganz ruhig. Nur die Masseusen haben noch gefehlt. Die Ruhe tut uns gut, denn morgen kommt die Königsetappe.

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4. Tag

Von Seeboden (588m) aus über Lieserhofen erst einmal auf 1176m über Zelsach weiter nach Altersberg. Manfred erklärt mir an jeder Einmündung, wohin der Pfad führt, in welcher Kombination man diesen oder jenen Weg laufen kann und welche Alternativen es auf dem Weg zum Gipfel gibt. Es ist schon klasse, wenn man seinen Coach und Fremdenführer dabei hat. Nun wollten wir die Märchenwandermeile entlang und die Drachenschlucht überqueren. Aber nix war´s. Der Drache steht da, wie ein überdimensionales Stopp-Schild.
            

b7_altersberg.jpg (32902 Byte) b8_drache.jpg (59409 Byte) Beim Anblick dieses Drachens viel mir das Lied ein....
... Der nächste Satellit nimmt meine Schwiegermutter mit....

www.drachenschlucht.com

Die Hängebrücke war gesperrt und die Holzbrücke eingestürzt. Also mussten wir den langen Weg nach Altersberg zurück. Die Serpentinen runter nach Trebesing eiern wir zu Tale, um auf der anderen Seite wie die Bergziegen wieder hochzuklettern. Auf  „welligem“ (zart profiliertem) Gelände geht es zurück nach Seeboden. Uff, geschafft.

        

b11_unterhaus.jpg (48949 Byte) Nach 36 Kilometern geht es über Unterhaus hinunter nach Seeboden. Wir sind noch erstaunlich gut in Form

1030 Höhenmeter gleich 26 Schneckenberge und 38 km in 3,5 Stunden! ...Es  lief gut heute.

5. Tag

Der Weg hinauf den Radlgraben entlang war auch noch mal eine Herausforderung und unsere Abschlusstour. Eine Stunde lang nur bergauf ohne Abwärtspassage bringen nochmals 580 Höhenmeter.

               

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Nachdem wir uns kurz ausgeruht haben geht es heimwärts. Nach nicht ganz 2Stunden und 20 Kilometern  erreichen wir den Parkplatz. Ich spüre meine Oberschenkel und die Waden. Knie und Achillessehne haben gehalten. Jetzt ist wirklich alles wieder im grünen Bereich. Der HM in Laibstadt kann kommen! Zufrieden machen wir uns auf den Nachhauseweg.

3130 Höhenmeter gleich 80 Schneckenberge und 126 Laufkilometer in 5 Tagen stehen am Ende zu Buche.

Jochen Brosig

Röttenbach, den 2.Mai 2003